Was das Chinesische Neue Jahr für mich bedeutet
»What CNY means to me« Zeichnung eines roten Pferdes auf Fotografie von mir in Chinatown Bangkok
Ich habe meine Familie besucht, und das nach elf Jahren. Am letzten Tag meiner Abreise hatte ich Kontakt mit meinen chinesischen Ahnen.
Mein Vater räumte mit seiner Frau in der Früh die Wohnung um und türmte allerlei Speisen und Lebensmittel vor dem Geisterhaus auf. Er zündete Räucherstäbchen und Kerzen an und betete. Danach überreichte er mir ebenfalls Räucherstäbchen – also betete ich auch. Ich dachte an meine ahnen, wer auch immer sie sind, und an Opa und Oma. »Wenn die Kerzen abgebrannt sind, verbrennen wir die Sachen«.
Ok, während die Kerzen noch brannten ergriff ich die Gelegenheit und interviewte meinen Vater über seine Familie. Bewaffnet mit Notizbuch und Stift, wie eine Journalistin und bereit für jede Information, fragte ich: »Wieviele Geschwister hast du nochmal?« Mein Vater nickte, als würde er sich ebenfalls bereit machen, für eine Reise in die Vergangenheit.
Ich erfuhr so viel Neues, aber nur Frakturen:
Mein Großvater »Giag« kommt ursprünglich aus Heinan, eine Insel südlich von China. Er lernte meine Großmutter »Diang« in Thailand kennen, die ebenfalls chinesische Wurzeln hatte. Mein Großvater war Fotograf und malte in seiner Freizeit. Oho, daher habe ich vielleicht meine künstlerische Ader?
Geisterhaus und Essen, das Glück bringen soll für das nächste Jahr
Meine Großeltern bekamen neun Kinder, die in einer Stadt, die als das Tor zum Norden bezeichnet wird, geboren wurden: Nakhon Sawan. Mein Vater lachte: »Sie wollten unbedingt zwei Söhne, also haben sie immer weiter probiert.« Ah, verstehe, daher habe ich so viele Tanten.
Zwei Tage vor meiner Abreise traf ich einiger meiner Cousinen und Cousins, die teilweise mit ihren Ehepersonen und Partner*innen erschienen sind. Niang, Nat, Nice, Gig, Maem und Yu. Sie planen eine Chinese-New-Year-Feier zum 28.2. aber da bin ich leider nicht mehr in Thailand. Leider aber ok, ich bin nicht mit diesen Traditionen aufgewachsen und also weiß ich eigentlich gar nicht, was ich da verpasse und trotzdem spüre ich, dass ein Teil von mir ein Teil davon sein will.
Chinese New Year Feier zu Hause in Deutschland: viele Dumplings, Frühlingsrollen, Orangen und Filmgucken »Everything, everywhere, all at one«
Ich saß immer noch da mit meinem Stift und Notizbuch, das eigentlich mein Skizzenbuch ist und bin ganz begeistert von meinen neuen Informationen. Mein Vater stand auf: »Ba! Die Kerzen sind nun abgebrannt.« (Ba! (ปะ) Thailändisch = Los! / Auf geht's!). Ich folgte meinem Vater in den Innenhof. Schuhe, Kleider, Hemden, Smartfons, Kataloge und haufenweise Münzen aus Papier werden verbrannt. Mein Vater schmunzelte: »Wir schauen, dass es Oma und Opa auch im Himmel gut geht.« Unsere Blicke folgten dem aufsteigendem Rauch.
Das ist mein chinesisches neues Jahr: Kontaktaufnehmen mit den Ahnen. Zusehen woher ich komme und wer ich bin. Ein Blick in die Verganheit ist auch ein Blick in den Spiegel. Ich blicke mit Freude in die Zukunft.
Euch allen ein Happy Chinese New Year des Feuerpferdes!